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Protokolle

Performance-Protokoll erklärt: Was sind die 12 Bausteine?

Eine detaillierte Anatomie des Performance-Protokolls: Wofür jeder der zwölf Bausteine steht, welche Evidenz dahinter liegt und wie sie im Monatsrhythmus zusammenwirken.

22. Mai 2026·14 Min.·Dr. med. Tolga Bozkurt· Facharzt für Innere Medizin · Performance & Sportmedizin
Editorial Illustration — die zwölf Bausteine des Performance-Protokolls
Zwölf Bausteine, ein Rhythmus — Performance ist nicht die Summe der Therapien, sondern ihre zeitliche Choreografie.

Das Performance-Protokoll ist in unserer Praxis das meistgewählte Paket — und gleichzeitig das, bei dem die Frage „Was ist da eigentlich alles drin?" am häufigsten gestellt wird. €990 pro Monat, alles aus Essential plus elf zusätzliche Komponenten. Das klingt nach viel. Es ist auch viel — aber nicht zufällig. Jeder einzelne Baustein adressiert einen bestimmten Hallmark of Aging oder einen funktionellen Endpunkt, und die monatliche Choreografie bringt sie so zusammen, dass sich Wirkungen addieren statt überlagern.

Dieser Artikel geht jeden der zwölf Bausteine einzeln durch: Was es ist, welche Evidenz dahinter liegt, wofür es im Protokoll steht. Wer das vollständige Bild im Vergleich zu den anderen Longevity-Protokollen sehen will, findet das im Vergleichsartikel zu Essential, Performance und Elite.

Baustein 1: 3 IV-Infusionen / Monat (Basis)

Das Fundament aus dem Essential-Paket: drei monatliche Infusionen nach Wahl — Vitamine, NAD+ oder Aminosäuren. In der Performance-Logik dienen sie der Grundversorgung, nicht der Spitzentherapie. Was sie leisten: schnelle Repletion oberhalb der oralen Resorptionsgrenze. Vor allem Vitamin C, B-Komplex, Magnesium und Glutathion erreichen über die IV-Route Plasmaspiegel, die oral nicht zugänglich sind. Die Evidenz für gezielte Repletion bei nachgewiesenem Mangel ist gut etabliert (siehe Levine et al., PNAS 1996). Was sie nicht leisten: eine ewige Versorgung. Ohne orale Basis fallen die Spiegel zwischen den Infusionen ab.

Baustein 2: +2 NAD+-Infusionen / Monat

Das ist der Performance-Hebel auf die mitochondriale Achse. NAD+ ist Coenzym, Substrat und Signalmolekül — verantwortlich für ATP-Produktion, DNA-Reparatur via PARPs und Sirtuin-Aktivität. Der altersabhängige NAD+-Abfall ist in mehreren Geweben dokumentiert (Imai & Guarente, Trends in Cell Biology 2014). Zwei zusätzliche NAD+-Infusionen pro Monat — meist als 500–750 mg-Dosis über 2–3 Stunden — heben den Pool messbar an. Subjektiv berichten Patient:innen von klarerem Denken, besserem Schlaf, schnellerer Regeneration nach körperlicher Belastung. Wir haben den NAD+-Forschungsstand 2026 separat ausführlich aufbereitet.

Baustein 3: +1 Aminosäure-Infusion / Monat

Eine gezielte BCAA- und essentielle Aminosäure-Infusion (Leucin, Isoleucin, Valin, Glycin, Arginin, Glutamin) im Spannungsfeld zwischen Regeneration und anaboler Stimulation. Die wissenschaftliche Logik: Aminosäuren sind nicht nur Bausteine, sondern Signalmoleküle. Leucin aktiviert mTOR — der zentrale Wachstumssensor, der bei jüngeren Erwachsenen Muskelproteinsynthese antreibt, im Alter aber zunehmend „taub" wird (anabole Resistenz). Eine gezielte Aminosäure-IV im Performance-Rhythmus arbeitet gegen diese anabole Resistenz, vor allem bei Patient:innen mit intensiver Trainingsroutine.

Baustein 4: IV-Laser (Weber Medical)

Intravenöse Laser-Therapie nach Weber: Ein Lichtleiter wird über einen venösen Zugang eingeführt und gibt während einer regulären Infusion Licht verschiedener Wellenlängen (rot 685 nm, gelb 589 nm, grün 532 nm, blau 447 nm, UV 365 nm) direkt ins Blut ab. Was wird damit erreicht? Die Photonen modulieren die Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien des zirkulierenden Bluts, fördern die ATP-Produktion und beeinflussen rheologische Eigenschaften der Erythrozyten. Studienlage: solider in der Photobiomodulation generell (siehe Hamblin, AIMS Biophysics 2017), für IV-Laser spezifisch noch wachsend, aber klinisch reproduzierbar verträglich und mit guten Erfahrungsdaten in europäischen Praxen.

Baustein 5: Heilys-Rotlicht-Therapie

Externe Photobiomodulation über Heilys-Rotlicht-Panels (Wellenlängen typischerweise 660 nm und 850 nm). Der Mechanismus ist derselbe wie beim IV-Laser, aber transkutan — die Photonen wirken in den oberen Hautschichten, der Subkutis und in oberflächlichen Muskelpartien. Studienlage: gut dokumentiert für Wundheilung, Hautqualität, Schmerzlinderung und mitochondriale Funktion in oberflächlichen Geweben. In der Performance-Logik ergänzt Heilys den IV-Laser: Was systemisch über das Blut wirkt, wird lokal über die Haut verstärkt. Drei bis vier Anwendungen pro Monat sind die übliche Dosis. Eine ausführlichere Einordnung finden Sie in unserem Artikel zu Photobiomodulation und Lichttherapie.

Baustein 6: Exosomen-IV (Dripfy)

Exosomen sind kleine extrazelluläre Vesikel (30–150 nm), die Zellen zur Kommunikation untereinander absondern — sie tragen miRNAs, Proteine und Lipide. Pharmakologisch sind sie die nächste Generation regenerativer Medizin, mit zunehmender Datenlage in der Wundheilung, neurologischen Regeneration und immunologischen Modulation (siehe Kalluri & LeBleu, Science 2020). Die Dripfy-Exosomen-IV im Performance-Protokoll wird einmal pro Monat verabreicht und arbeitet als systemisches Signal-Update. Wichtig: Wir nutzen ausschließlich standardisierte allogene Präparate aus zertifizierter Produktion. Mehr Hintergrund in unserem Beitrag zu Peptiden und Exosomen.

Baustein 7: Muskeldiagnostik (Myoact)

Myoact ist ein bioelektrisches Verfahren, das die Qualität von Muskulatur über elektrische Impedanz und Kontraktionsmuster misst — quantifiziert wird nicht nur Masse, sondern Funktion. Wofür? Sarkopenie (altersbedingter Muskelmasseverlust) ist einer der wichtigsten Frailty-Faktoren und ein unabhängiger Prädiktor für Mortalität. Wer messen kann, was er trainiert, trainiert anders. Im Performance-Protokoll wird Myoact zweimal jährlich erhoben — als Verlaufsmarker für Trainings- und Aminosäure-Intervention.

Baustein 8: VO2max-Messung (PNOE) — halbjährlich

VO2max — die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität — ist der wahrscheinlich stärkste einzelne Mortalitätsprädiktor in der gesamten kardiometabolischen Medizin (Mandsager et al., JAMA Network Open 2018, Kohorte: 122.000 Patient:innen). Die PNOE-Messung erfolgt unter Belastung auf dem Laufband oder Ergometer mit Atemgasanalyse — gemessen werden VO2, VCO2, Atemfrequenz, ventilatorische Schwellen und metabolische Effizienz. Eine VO2max-Messung pro Halbjahr im Performance-Protokoll erlaubt es, Trends sauber abzubilden — und Trainingsverordnungen mit messbarer Dosis zu geben. Mehr dazu im Artikel zur 4P-Medizin.

Baustein 9: Brain Gym (Gharieni) — 6 Nutzungen / Monat

Brain Gym von Gharieni ist eine Multi-Modalitäts-Plattform: kombinierte audiovisuelle Stimulation, Vibration, elektromagnetische Felder und biofeedbackgesteuerte Mentaltraining-Protokolle. Der Effekt zielt auf zwei Achsen — kognitive Performance (Aufmerksamkeit, Reaktionszeit, Arbeitsgedächtnis) und autonome Regulation (HRV-Balance, parasympathische Aktivierung). Sechs Anwendungen pro Monat sind die Dosis, mit der wir konsistente subjektive und HRV-messbare Effekte sehen. Studienlage ist für die einzelnen Komponenten (audiovisuelle Stimulation, HRV-Biofeedback) gut, für die kombinierte Plattform wächst sie.

Baustein 10: Regenerationsmassage (1× / Monat)

Eine monatliche, manualtherapeutisch fundierte Regenerationsmassage — keine Wellness-Anwendung, sondern eine gezielte myofasziale und lymphatische Arbeit. Wofür im Protokoll? Sie tut zwei Dinge: Sie senkt nachweislich die HRV-gemessene autonome Belastung (vagale Aktivierung) und sie verbessert die lokale Mikrozirkulation in trainierten Muskelgruppen. Im Zusammenspiel mit Heilys-Rotlicht und Aminosäure-IV bildet sie den regenerativen Teil des Monatsrhythmus.

Baustein 11: NMR-Metabolomik (Dripfy) — quartalsweise

NMR-Metabolomik (Kernspinresonanzspektroskopie) ist das wahrscheinlich präziseste verfügbare Verfahren zur quantitativen Analyse von Stoffwechselmarkern. In einer einzigen Blutprobe werden 250+ Marker bestimmt — Lipoprotein-Subklassen, Fettsäureprofile, Aminosäure-Spektren, Ketonkörper, glykolytische Marker. Quartalsweise erhoben, liefert das Verfahren ein Stoffwechsel-Trend-Bild, das mit konventioneller Diagnostik so nicht möglich ist. Im Performance-Protokoll ist die NMR-Metabolomik der wichtigste objektive Verlaufsparameter. Sie ist Teil der Diagnostik, die wir gemeinsam mit unserem Partner Dripfy abwickeln.

Baustein 12: Genetische + epigenetische Diagnostik (bei 6-Monats-Abo)

Bei einer Buchung des Performance-Protokolls als 6-Monats-Abo enthalten: eine vollständige genetische Diagnostik (Polymorphismen relevant für Stoffwechsel, Detoxifikation, Hormonmetabolismus, kardiovaskuläres Risiko) sowie eine epigenetische Altersmessung (Horvath-, GrimAge- und/oder PhenoAge-Uhren). Beide Diagnostiken sind einmalige Baselines — die Genetik ändert sich nicht, das epigenetische Alter schon, und kann als Verlaufsparameter über Jahre dienen. Im Erstgespräch besprechen wir den realistischen Nutzen — und auch die Grenzen — dieser Verfahren. Genetik ist keine Schicksalsdiagnose, sondern eine Risikoabschätzung.

Performance ist nicht die Summe der zwölf Bausteine — es ist ihr Zusammenspiel im Monatsrhythmus. Jeder Einzelne wirkt; gemeinsam wirken sie überproportional.

Wie sich der Monatsrhythmus zusammenfügt

Ein typischer Monat im Performance-Protokoll sieht wie folgt aus. Woche 1: NAD+-Infusion plus Aminosäure-IV, dazu Heilys-Rotlicht, eine Brain-Gym-Sitzung. Woche 2: Vitamin-IV mit IV-Laser, Brain Gym, Pelvic Chair. Woche 3: Zweite NAD+-Infusion plus Exosomen-IV, dazu die monatliche Regenerationsmassage. Woche 4: Vitamin-IV, Heilys-Rotlicht, Brain Gym, Pelvic Chair. Quartalsweise eingebettet: NMR-Metabolomik, halbjährlich eine VO2max-Messung und Myoact-Diagnostik. Die genauen Sequenzen passen wir an Ihre Kalender- und Trainingsstruktur an — keine zwei Patient:innen folgen exakt demselben Rhythmus.

Häufige Fragen

Wie viele Termine pro Monat sind das insgesamt?

Im Performance-Protokoll sind das in der Regel 12–16 Termine pro Monat, je nachdem, wie viele Brain-Gym-Sitzungen Sie nutzen und wie wir die Infusionen und Lichttherapien kombinieren. In der Praxis lassen sich oft zwei Bausteine in einem Besuch verbinden (z. B. Vitamin-IV und Heilys-Rotlicht gleichzeitig), sodass die Anzahl tatsächlicher Praxis-Besuche bei 8–10 pro Monat liegt. Wir planen das im Erstgespräch gemeinsam und an Ihren Alltag angepasst.

Was ist, wenn ich beruflich viel reise?

Reise-Patienten gehören zu unserer Stammklientel. Wir bündeln dann Termine in Reise-freien Wochen und kompensieren Reisezeit über erhöhte Diagnostiktiefe in den Präsenz-Phasen. Bei Reisen über mehr als zwei Wochen pausieren wir die Brain-Gym-Sitzungen und holen sie nach. Komplexere Reisepläne — etwa Zeitzonen-Wechsel oder langer Auslandsaufenthalt — besprechen wir individuell.

Kann ich einzelne Bausteine ausschließen?

Ja, mit Einschränkungen. Wer aus medizinischen Gründen einen Baustein nicht haben kann (z. B. Exosomen bei aktiver onkologischer Erkrankung), bekommt einen Ersatz-Baustein. Wer aus Präferenzgründen einen Baustein nicht wahrnehmen will, kann das tun — eine Rabattierung gibt es dafür allerdings nicht, weil das Paket als Gesamtsystem kalkuliert ist. Wer mehrere Bausteine nicht möchte, ist mit einer Einzelbuchung wahrscheinlich besser bedient.

Wie unterscheidet sich Performance konkret von Elite?

Drei Hauptdimensionen. Erstens Diagnostikfrequenz: VO2max viermal statt zweimal pro Jahr, plus volle epigenetische Diagnostik unabhängig von der Vertragslaufzeit. Zweitens therapeutische Breite: EBOO-Ozontherapie, autologes Exosomen-Protokoll, Peptid-Beratung. Drittens Concierge-Pacing: priorisierte Terminierung, zwei Arzt-Konsultationen pro Quartal, dedizierter Concierge. Wer das nicht braucht, ist mit Performance richtig. Eine direkte Gegenüberstellung finden Sie im Artikel zum Elite-Protokoll.

Kontraindikationen

Schwangerschaft: NAD+-Hochdosen, bestimmte Peptide und die IV-Laser-Therapie werden ausgesetzt; das Protokoll wird auf eine schwangerschaftsverträgliche Variante umgestellt. Aktive onkologische Behandlung: Exosomen-IV und einige Antioxidans-Infusionen erfordern eine enge Abstimmung mit dem behandelnden Onkologen. Schwere Niereninsuffizienz: dosisbegrenzend für Aminosäure-IV. Implantierte Schrittmacher und Defibrillatoren: relative Kontraindikation für einige Brain-Gym-Module mit elektromagnetischer Stimulation. All das klären wir im Erstgespräch.

Fazit

Das Performance-Protokoll ist ein kohärentes System aus zwölf Bausteinen, die jeweils einen messbaren Hebel auf einen biologischen Endpunkt setzen — Mitochondrien, Muskulatur, Gefäß-System, neuronale Performance, Stoffwechsel, Hormonbalance, Regenerationskapazität. Der Wert liegt nicht in der Vielzahl, sondern in der Choreografie: zwölf Werkzeuge, koordiniert über einen Monatsrhythmus, mit quartalsweiser Diagnostik-Kontrolle und halbjährlicher Performance-Messung. Wer wissen will, ob das zur eigenen Lebensphase passt, klärt das im Erstgespräch.

Quellen

  1. 1.Mandsager K. et al., „Association of Cardiorespiratory Fitness With Long-term Mortality", JAMA Network Open, 2018.
  2. 2.Hamblin M.R., „Mechanisms and applications of the anti-inflammatory effects of photobiomodulation", AIMS Biophysics, 2017.
  3. 3.Kalluri R., LeBleu V.S., „The biology, function, and biomedical applications of exosomes", Science, 2020.
  4. 4.Imai S., Guarente L., „NAD+ and sirtuins in aging and disease", Trends in Cell Biology, 2014.
  5. 5.Levine M. et al., „Vitamin C pharmacokinetics in healthy volunteers", PNAS, 1996.
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