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Protokolle

Elite-Protokoll: Concierge-Medizin oder echter Mehrwert?

€1.890 pro Monat sind eine Ansage. Was leistet das Elite-Protokoll, was unter Performance nicht möglich ist — und woran ist abzulesen, ob sich der Sprung lohnt?

22. Mai 2026·12 Min.·Dr. med. Elif Demir· Fachärztin für Innere Medizin · Longevity-Medizin
Editorial Illustration — Elite-Longevity-Protokoll und Concierge-Medizin
Concierge ist kein Luxus-Wort — es ist die organisatorische Voraussetzung für eine bestimmte Behandlungsdichte.

Die Frage stellt sich ehrlich: Lohnt sich ein Longevity-Protokoll für €1.890 pro Monat, wenn ein gut konfiguriertes Performance-Paket €990 kostet? €900 Differenz pro Monat sind über zwölf Monate gerechnet €10.800 — eine Größe, die mit der Anschaffung eines Mittelklassewagens oder einer mehrwöchigen Sabbatical-Reise konkurriert. In diesem Artikel beantworten wir die Frage ohne Vertriebsbrille: Was leistet das Elite-Protokoll konkret zusätzlich, und für wen ist dieser Mehrwert real?

Vorab eine Klarstellung. Elite ist nicht der „bessere" Tarif — Elite ist ein anders gewichtetes Werkzeug-Set. Für Menschen mit stabiler Basis, klarer Lebensstruktur und moderaten Trainings- und Erholungsbedürfnissen ist Performance die richtige Wahl. Elite wird sinnvoll, wenn drei spezifische Bedingungen vorliegen: erstens eine biologische Lage, die maximale Engmaschigkeit der Diagnostik rechtfertigt; zweitens eine Lebensstruktur, die Concierge-Pacing wirklich nutzt; drittens eine Bereitschaft, in regenerative Verfahren (autologe Exosomen, Ozontherapie, Peptide) zu investieren, die in den unteren Tiers nicht enthalten sind.

Was Elite zusätzlich enthält — eine ehrliche Bilanz

Sieben konkrete Mehrleistungen unterscheiden Elite von Performance. Erstens: unbegrenzte IV-Infusionen nach Protokoll — statt drei plus zwei NAD+ plus eine Aminosäure pro Monat können wir den Rhythmus an akute Belastungs- oder Regenerationsphasen anpassen. Zweitens: Ozontherapie (EBOO — Extracorporeal Blood Oxygenation and Ozonation), ein Verfahren, das Blut außerhalb des Körpers mit medizinischem Ozon anreichert. Drittens: autologes Exosomen-Protokoll — eigene Exosomen aus eigenen Stammzellen, im Gegensatz zur allogenen Exosomen-IV in Performance. Viertens: individualisierte Peptid-Beratung — gezielte therapeutische Peptide bei definierten Indikationen. Fünftens: VO2max-Messung quartalsweise statt halbjährlich. Sechstens: acht statt sechs Brain-Gym-Sitzungen pro Monat plus zwei Arzt-Konsultationen pro Quartal. Siebtens: vollständige genetische und epigenetische Diagnostik unabhängig von Vertragslaufzeit, plus priorisierte Terminierung und dedizierter Concierge.

  • **+1.000 EUR Wert in Diagnostik:** VO2max viermal statt zweimal, vollständige genetische + epigenetische Diagnostik, eingebettete Arzt-Konsultationen mit Verlaufsanalyse jedes Quartals.
  • **+1.500–2.500 EUR Wert in Spezialtherapien:** EBOO-Ozontherapie, autologes Exosomen-Protokoll, Peptid-Beratung — Verfahren, deren Einzelpreis in Frankfurt zwischen 250 EUR (Einzel-Ozon) und 2.000 EUR (autologes Exosomen-Set) liegt.
  • **Unbegrenzte IV-Infusionen:** real entspricht das im Schnitt 8–14 Infusionen pro Monat (Performance: 6) — Mehrwert ca. 400–800 EUR/Monat in äquivalenten Einzelpreisen.
  • **Concierge-Pacing:** priorisierte Terminierung, persönlicher Ansprechpartner, dedizierte Verlaufsdokumentation — kein direkter Einzelpreis, aber im hochbelasteten Berufskontext der entscheidende Hebel.

Die Concierge-Frage: Pseudoluxus oder reale Funktion?

„Concierge" klingt nach Hotel-Lobby und Premium-Marketing. Diese Skepsis ist berechtigt — und löst sich in der Praxis schnell auf, wenn man sieht, was Concierge konkret tut. In unserer Praxis bedeutet Concierge: ein fester persönlicher Ansprechpartner pro Patient:in, der den Behandlungsplan kennt, Termine vorausplant, Diagnostik-Ergebnisse zwischen den Sprechstunden vorab durchgeht und Schnittstellen zu externen Versorgern (Hausarzt, Spezialist:innen, Reha) koordiniert. Das spart in unseren Stamm-Elite-Patient:innen pro Monat 3–8 Stunden organisatorische Zeit — Zeit, die in einer hochbelasteten Lebenssituation oft den Unterschied zwischen „funktionierendes Protokoll" und „abgebrochenes Protokoll" macht.

Der zweite Concierge-Hebel ist die priorisierte Terminierung. Wer mit zwei Wochen Vorlauf Termine fixiert, hat in Performance keine Probleme. Wer in einem Vorstands-Kalender lebt, in dem sich Termine täglich verschieben können, braucht eine andere organisatorische Schicht. Priorisierte Terminierung bedeutet bei uns: Slot-Reservierung im Wochenrhythmus, Umbuchung ohne Mehrkosten bis 24 Stunden vor Termin, dedizierte Reserve-Slots am Abend und am Samstag. Ohne diese Schicht funktioniert Elite organisatorisch nicht — und ohne diese Schicht ist Performance schon eine Herausforderung.

EBOO, autologe Exosomen, Peptide — was die drei Spezialverfahren wirklich tun

EBOO-Ozontherapie ist eines der älteren komplementären Verfahren der Sauerstoff- und Ozonmedizin: Blut wird in einem geschlossenen Kreislauf mit medizinischem Ozon angereichert und reinfundiert. Wofür? Ozon aktiviert antioxidative Schutzsysteme (Nrf2-Achse), moduliert Inflammation und verbessert die Sauerstoffabgabe der Erythrozyten. Studienlage: gut etabliert für Wundheilung und chronische Infektionen (Bocci, „Ozone — A New Medical Drug", Springer 2011), wachsend für allgemeine Inflammaging-Reduktion. In der Elite-Logik ein bis zwei Sitzungen pro Quartal.

Autologe Exosomen sind die nächste Evolutionsstufe der Exosomen-Therapie. Im Gegensatz zur allogenen Exosomen-IV (extern produziert, standardisiert) werden im autologen Protokoll Exosomen aus den eigenen Stammzellen der Patient:in gewonnen und konzentriert. Vorteil: keine Immunkompatibilitätsfragen, präzise auf das individuelle biologische Profil zugeschnitten. Aufwand: eine einmalige Stammzell-Entnahme zu Beginn, mehrwöchige Produktion durch unseren Partner Dripfy, dann monatliche oder quartalsweise Verabreichung. Studienlage: jung, aber methodisch sauberer als die allogene Variante.

Peptid-Beratung schließlich ist kein Standard-Baustein, sondern ein individualisiertes Therapieelement. Therapeutische Peptide — BPC-157 (Geweberegeneration), TB-500 (Wundheilung), Thymosin Alpha-1 (Immunmodulation), Epitalon (epigenetische Modulation) — sind in Deutschland regulatorisch ein Graubereich; wir verschreiben sie nur bei klarer Indikation, mit dokumentierter Quelle und in enger Abstimmung mit unserem Pharmazeuten-Netzwerk. Wer keine spezifische Indikation für Peptide hat, braucht sie nicht — und bekommt sie bei uns dann auch nicht. Eine ehrliche Einordnung haben wir im Beitrag zu Peptiden und Exosomen verfasst.

Die ökonomische Rechnung: Wann lohnt sich Elite?

Eine ehrliche Vergleichsrechnung. Wer in Performance ist und im Jahr zwei zusätzliche VO2max-Messungen (je 380 EUR = 760 EUR), eine vollständige genetische Diagnostik (1.200 EUR), drei autologe Exosomen-Sitzungen (je 1.800 EUR = 5.400 EUR), vier EBOO-Sitzungen (je 320 EUR = 1.280 EUR) und gelegentliche Zusatz-Infusionen (geschätzt 2.000 EUR) als Einzelbuchungen ergänzt, kommt auf ca. 10.640 EUR Zusatzkosten pro Jahr. Die Elite-Differenz zu Performance beträgt 12 × 900 EUR = 10.800 EUR. Wer also die Spezialverfahren tatsächlich in voller Frequenz nutzen würde, fährt mit Elite preisneutral — und gewinnt zusätzlich den Concierge-Service.

Andersherum: Wer in Performance bleibt und im Jahr lediglich eine Zusatz-VO2max plus einmal autologe Exosomen ergänzt (ca. 2.180 EUR), kommt deutlich günstiger als Elite. Die Rechnung kippt also genau in dem Bereich, in dem mehrere Spezialverfahren tatsächlich indiziert und gewünscht sind. Wir machen diese Rechnung mit jeder Patientin und jedem Patienten transparent im Erstgespräch.

Elite ist kein Premium-Symbol. Es ist die ökonomisch sinnvolle Form, wenn ohnehin mehrere Spezialverfahren genutzt würden — gepaart mit einer organisatorischen Schicht, die eine bestimmte Lebenslogik erst praxistauglich macht.

Drei reale Patient:innen-Profile, für die Elite funktioniert

Erstens: die 52-jährige CEO eines mittelständischen Unternehmens, die viermal pro Jahr international reist, einen erhöhten ApoB- und Lp(a)-Wert hat und eine onkologische Familienanamnese (Mutter mit Mammakarzinom in der Postmenopause). Für sie ist Elite ökonomisch wie medizinisch der richtige Tarif — engmaschige Diagnostik, autologes Exosomen-Protokoll, EBOO als regelmäßige Komponente, Concierge-Termine, weil ihre Wochen nicht planbar sind.

Zweitens: der 64-jährige ehemalige Top-Athlet, der nach einer überstandenen Herz-Kreislauf-Episode (NSTEMI vor drei Jahren) sein biologisches Alter messen und über Jahre stabilisieren will. Für ihn ist Elite die richtige Wahl, weil epigenetische Verlaufsmessung, quartalsweise VO2max-Tracking und das autologe Exosomen-Protokoll exakt die Marker bedienen, die sein behandelnder Kardiologe sehen will.

Drittens: die 47-jährige Selbständige in Beratung und Vorstandsmandaten, die nach einem schweren Burnout-Jahr 2024 ihre kognitive Performance, Schlafqualität und immunologische Resilienz systematisch wiederherstellen will. Für sie ist Elite zunächst einmal die richtige Wahl — mit der Option, nach 12–18 Monaten und stabilisierten Markern auf Performance herunterzustufen. Diese Frage besprechen wir gemeinsam, wenn die Daten es zulassen.

Wann Elite die falsche Wahl ist

Wir empfehlen Elite explizit nicht, wenn drei Faktoren gleichzeitig zutreffen. Erstens: stabile Basis-Marker (ApoB unter 100 mg/dl, hsCRP unter 1 mg/l, normale Glukosetoleranz, VO2max altersnormal oder darüber). Zweitens: planbare Lebensstruktur ohne stundengenauen Kalenderdruck. Drittens: kein konkreter Bedarf an EBOO, autologen Exosomen oder Peptid-Therapie. Wer in dieser Konstellation ist, hat in Performance den besseren Hebel — und mit gezielten Einzelbuchungen die Flexibilität, einzelne Spezialverfahren bei Bedarf zu ergänzen.

Häufige Fragen

Was bedeutet "unbegrenzte Infusionen" konkret?

Unbegrenzt im Sinne von „nach Protokoll, ohne separate Abrechnung". In der Praxis sind das 8–14 Infusionen pro Monat — die exakte Frequenz hängt vom individuellen Plan ab. Wir steuern die Frequenz nach Marker-Verläufen und akuten Belastungsphasen. Wer in einer Hochbelastungsphase (Reise, Erkrankung, Post-Infekt) ist, bekommt eine höhere Frequenz; wer in einer Erhaltungsphase ist, eine niedrigere. Es gibt keinen versteckten Plafond — aber wir behandeln nicht inflationär.

Kann ich Elite testweise für drei Monate buchen?

Ja. Wir bieten 3-Monats-, 6-Monats- und 12-Monats-Verträge. Die 6- und 12-Monats-Optionen sind vergünstigt. Wer testen möchte, beginnt mit drei Monaten und entscheidet dann mit Daten in der Hand.

Wie unterscheidet sich der Concierge-Service vom "normalen" Praxis-Empfang?

Der Concierge ist ein:e fest zugeordnete:r medizinisch geschulte:r Mitarbeiter:in mit Ihrer kompletten Akten- und Terminkenntnis, erreichbar auf direktem Weg (eigene Nummer, eigenes Mail-Postfach), nicht über die zentrale Praxisrezeption. Sie:er kennt Ihren Plan, kennt die anstehenden Diagnostik-Termine, kann verschieben, neu koordinieren, externe Berichte einholen — bevor Sie überhaupt fragen, ob es geht.

Ist Elite steuerlich anders zu bewerten als Performance?

Die steuerliche Logik ist dieselbe wie in Performance — medizinisch indizierte Anteile (Diagnostik, Beratung, ärztlich verordnete Therapien) können als außergewöhnliche Belastung relevant sein, präventive Anteile in der Regel nicht. Da Elite mehr explizit medizinische Bausteine enthält (Konsultationen, EBOO, Peptide bei Indikation), ist der absetzbare Anteil bei Elite tendenziell höher — die exakte Bewertung muss aber Ihre Steuerberatung vornehmen.

Kontraindikationen

Schwangerschaft: Elite-Spezialverfahren (EBOO, autologe Exosomen, Peptide) werden ausgesetzt oder durch sichere Alternativen ersetzt — wir wechseln zu einer schwangerschaftsverträglichen Variante. Aktive onkologische Behandlung: enge Abstimmung mit Onkologen; einige Verfahren werden pausiert. Schwere Niereninsuffizienz, fortgeschrittene Herzinsuffizienz, kritisch instabile Schilddrüsenerkrankung: ggf. Anpassung der Behandlungsdichte. Bekannte Allergien oder Unverträglichkeiten: individuelle Anamnese. Klar besprochen wird das im Erstgespräch.

Fazit

Elite ist Concierge-Medizin und echter medizinischer Mehrwert in einem — kein Marketing-Etikett, sondern eine ökonomisch und organisatorisch sauber kalkulierte Behandlungsdichte. Sie lohnt sich, wenn drei Bedingungen vorliegen: medizinische Indikation für die enthaltenen Spezialverfahren, Lebensstruktur, die Concierge-Pacing braucht, und Bereitschaft, in eine engmaschige biologische Verlaufsmessung zu investieren. Sie lohnt sich nicht, wenn die Basis stabil ist und keine der Spezialleistungen tatsächlich gebraucht wird. Die ehrliche Beratung gehört in unsere Praxis — wir wechseln Patient:innen aktiv von Elite zu Performance, wenn die Daten das nahelegen. Eine Einordnung im Vergleich zu den anderen Stufen finden Sie im Artikel Essential, Performance, Elite — welches Protokoll passt zu wem.

Quellen

  1. 1.Bocci V., „Ozone — A New Medical Drug", Springer, 2011.
  2. 2.Kalluri R., LeBleu V.S., „The biology, function, and biomedical applications of exosomes", Science, 2020.
  3. 3.Mandsager K. et al., „Association of Cardiorespiratory Fitness With Long-term Mortality", JAMA Network Open, 2018.
  4. 4.López-Otín C. et al., „Hallmarks of aging: An expanding universe", Cell, 2023.
  5. 5.Horvath S., „DNA methylation age of human tissues and cell types", Genome Biology, 2013.
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